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Theatersaal; im Publikum sitzen Kinder, die gemeinsam singen.

Mehr als Musik: Wie die „SingPause“ Kinder stärkt

Singen verbindet – über Sprachen, Kulturen und soziale Hintergründe hinweg. Gerade für Kinder kann gemeinsames Singen ein Schlüssel zu mehr Selbstvertrauen, emotionalem Ausdruck und sozialem Miteinander sein. Zum Tag des Gesangs am 25. Mai stellen wir ein Projekt vor, das genau hier ansetzt: die „SingPause“.

In Mülheim an der Ruhr bringt die Initiative aktuell rund 1.200 Grundschulkinder regelmäßig zum Singen und schafft damit weit mehr als musikalische Bildung. Unterstützt wird das Projekt unter anderem von der Pfarrei St. Mariä Himmelfahrt, ein Kunde der Bank.

Wie die „SingPause“ funktioniert, welche pädagogische Idee dahintersteht und was sie zur Entwicklung von Kindern beitragen kann, erklärt Projektleiter Professor Werner Schepp (Chorleitung I Kinderchorleitung, Folkwang Universität der Künste) im Interview.

Am 25. Mai feiern wir den Tag des Gesangs – warum ist gemeinsames Singen aus Ihrer Sicht gerade für Kinder so wertvoll?

„In erster Linie ist das gemeinsame Singen besonders wichtig, weil es für viele Kinder den ersten direkten Zugang zur Musik schafft. Darüber hinaus sind die emotionalen und sozialen Aspekte von großer Bedeutung: Das Singen hilft den Kindern, ihre Gefühle auf völlig natürliche Art und Weise zum Ausdruck zu bringen, sich als wertvollen Teil einer Gruppe zu empfinden, Selbstvertrauen aufzubauen und letztlich auch Stress abzubauen.
Neben diesen von Neurologen bestätigten Transferleistungen des Singens spielt die sprachliche Förderung und Stärkung der Konzentration eine wichtige Rolle.“

An der „SingPause“ nehmen inzwischen rund 1.200 Kinder aus vier Grundschulen in Mülheim teil. Woran liegt es, dass das Projekt so viele SchülerInnen begeistert?

Mit dem Projekt der „SingPause“ möchten die InitiatorInnen für Kinder im Grundschulalter unabhängig von ihrer nationalen Herkunft und ihrem sozialen Hintergrund einen Beitrag zu einer humanistischen Bildung schaffen. Das Projekt ist so ausgerichtet, dass es allen teilnehmenden Kindern ohne Sprachbarrieren eine musikalische Förderung ermöglicht. Zudem die soziale Atmosphäre im Klassenverbund positiv beeinflusst und die kognitive sowie emotionale Intelligenz erwiesenermaßen fördert. Gerade die Ursprünglichkeit des gemeinsamen Singens fördert die intrinsische Motivation und führt zu einer ansteckenden Begeisterung.

Auf der Bühne stehen SängerInnen, die mit Kindern singen

In der „SingPause“ lernen die Kinder nach der Ward-Methode. Was steckt dahinter und mit welchem Ziel?

„Die von Justine Bayard Ward Anfang des 20. Jahrhunderts in Amerika entwickelte Methode vermittelt kindgerecht die Grundparameter der Musik: Tonbeziehung und Rhythmus sowie Stimmbildung. Dabei bedient sie sich der sogenannten Relativen Solmisation[1] mit unterschiedlichen Tonsilben.

Im Unterschied zu anderen Methoden baut die Ward-Methode auf die Eigenverantwortung und Selbstständigkeit beim Lernen. Das Ziel lautet: Zusammenhänge erschließen und verstehen oder: Vom visuellen Eindruck zu einer auditiven Vorstellung gelangen, ohne dass z.B. eine Melodie nur durch mehrmaliges Vor- und Nachsingen erfasst werden kann. “

 

[1] Relative Solmisation ist ein musikalisches System, das Tönen Silben zuordnet, um ihre Funktion innerhalb einer Tonleiter zu erkennen, unabhängig von der absoluten Tonhöhe.

Der Tag des Gesangs erinnert daran, dass jede Stimme zählt. Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft der „SingPause“ in Mülheim?

„Für die Zukunft wünschen wir uns, dass möglichst viele Kinder der Mülheimer Grundschulen die Chance erhalten, an diesem Projekt teilzunehmen! Wir hoffen, die Zahl der Schulen nach den Sommerferien verdoppeln zu können. Neben dem zweimal wöchentlich stattfindenden Unterricht in den Schulen entfalten die jährlichen SingPause-Konzerte in der Stadthalle Mülheim an der Ruhr eine zunehmend größere Strahlkraft. Somit hoffen wir, dass das Singen als ursprünglichste menschliche Ausdrucksform mit physischer und psychischer Bedeutung immer besser den Weg dahin zurückfindet, wo es seinen eigentlichen Platz hat: mitten im Leben!
Und natürlich wünschen wir uns dabei eine große und nachhaltige Unterstützung.“