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Weltbrustkrebsmonat 2026
Eine BIB-Kollegin erzählt 

Ein Tag vor der BIB-Generalversammlung 2024. Wir sitzen auf dem Boden vor der Messehalle und konfektionieren hunderte Giveaways. Die Stimmung: irgendwas zwischen angestrengt und ausgelassen. Linda* hatte einen frühen Aufbruch avisiert und wirkt plötzlich – untypisch für sie – bedrückt. Eine Verdachtsuntersuchung bei der Gynäkologin steht an. Etwas, das niemand zu Ende denken möchte. Sie erzählt ihre Geschichte und möchte anderen Frauen Mut machen.

Und plötzlich ist es da

Der Tastbefund war unauffällig, aber dann brachte ein Ultraschall doch einen Befund hervor – zum Glück sehr früh. Daher ist Linda sehr dankbar, dass ihre Frauenärztin sie auf die Möglichkeit der Brustultraschalluntersuchung als IGeL-Leistung hingewiesen hat.

„Ich glaube, dass viele Frauen gar nicht wissen, dass es die Möglichkeit eines zusätzlichen Brustultraschalls gibt“, vermutet sie. „Bei mir hat genau diese Untersuchung den entscheidenden Unterschied gemacht, weil der Tumor so früh erkannt werden konnte.“ 30 bis 80 Euro (je nach Praxis) Einsatz dafür, dass ein Tumor frühzeitig entdeckt werden kann – das ist für Linda eine Investition, über die man als Patientin zumindest informiert werden sollte.

Für sie war relativ schnell klar, dass es sich um Krebs handelt. Durch ein Lipödem wusste sie, wie sich ihr Gewebe normalerweise anfühlt. Und als die Ultraschallbilder eine andere Struktur zeigten, haben ihre Alarmglocken geschrillt.

„Die Zeit von der Stanzbiopsie in den Kliniken Essen Mitte (KEM) bis zur endgültigen Diagnose war dann unfassbar belastend“, beschreibt Linda die erste Übergangszeit. „Ich habe viel geweint und mit meiner Familie alle möglichen Szenarien durchgespielt. Aber wir sind nun mal auch eine Familie mit Humor, daher haben wir zum Beispiel eine Münze geworfen, wer mir später die Haare auf dem Kopf rasieren darf.“

Im Gedankenkarussell

„Man weiß nicht, was auf einen zukommt, und die Szenarien reichen von der Mastektomie über Chemotherapie bis zum Tod. Meine größten Sorgen galten dabei gar nicht unbedingt mir selbst, sondern meiner Familie. Ich habe mir vor allem Gedanken darüber gemacht, was die Erkrankung für meine Familie und insbesondere für meine Kinder bedeuten wird. Und das will man sich als Mutter nicht ausmalen.“

Vor der Operation stand noch ein Familienurlaub. Linda wusste zu diesem Zeitpunkt bereits, was vor ihr lag: Operation, Bestrahlung und eine fünfjährige Antihormon-Therapie. Selbst in einer so belastenden Zeit könne ein Urlaub sehr hilfreich sein, schildert sie. Er habe sie von den immer wiederkehrenden Gedanken abgelenkt.

Vor der OP konnte eine Tabletten-Therapie das Tumor-Wachstum bereits von 17 auf zwei Prozent reduzieren. Durch die OP und die anschließende Bestrahlung sollte dann das letzte Risiko ausgeschlossen werden. Es folgte eine Notoperation aufgrund eines postoperativen Hämatoms, dann die Bestrahlung - vier Wochen lang fünf Tage die Woche. „Das war belastend“, schildert Linda, „aber völlig schmerzfrei. Trotzdem habe ich manchmal zwei bis drei Stunden am Tag geschlafen. Das alles ist einfach anstrengend.“

Eine Klinik kann dabei viel Sicherheit vermitteln. Linda hat zum Beispiel sehr beruhigt, dass die verschiedenen Fachbereiche innerhalb der KEM so gut miteinander vernetzt sind – von der Mammografie über Stanzbiopsie und Operation bis hin zur Bestrahlung und Nachsorge.

Und jetzt?

Eine Tablette täglich und zusätzlich jedes Quartal eine Spritze, durch die sie künstlich in die Wechseljahre versetzt wird. Das bringt natürlich Nebenwirkungen mit sich: Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Schmerzen, Schlafstörungen, Hitzewallungen und auch Gewichtszunahme. „Daran musste ich mich erst mal gewöhnen und lernen, die Beschwerden in meinen Alltag zu integrieren“, erzählt Linda. Eine Reha hätte sie ebenfalls in Anspruch nehmen können, hat sich aber dagegen entschieden. Sie hatte das Gefühl, mental und physisch stark genug zu sein. Eine regelmäßige Physiotherapie war hingegen sehr wichtig für sie, da bei der OP auch ein Lymphknoten entfernt wurde.

Nachsorge ist inzwischen ein fester Bestandteil in Lindas Alltag. Alle drei Monate geht sie zur Frauenärztin zum Brust-Ultraschall. Einmal im Jahr steht eine Mammografie an, und alle zwei Jahre wird aufgrund der Medikamente die Knochendichte gemessen. Für Linda ein angenehm engmaschiges Kontrollverfahren. „Natürlich bin ich bei den Untersuchungen nicht mehr ganz so entspannt wie früher“, sagt sie. „Die Angst ist schon immer dabei. Gleichzeitig bin ich aber auch sehr froh darüber, wie weit die medizinische Forschung inzwischen ist. Es kommen immer wieder neue Medikamente auf den Markt und eins davon hilft mir jetzt zum Beispiel dabei durchzuschlafen.“ 

Der Weg zurück in den Alltag – alles wie immer?

Sechs Monate nach der OP hat Linda mit der Wiedereingliederung begonnen. Nach einer verhältnismäßig langen Zeit wieder unter Menschen zu sein, war für sie zunächst ungewohnt. Auch einfache Dinge, wie sich morgens anzumelden, wieder in einen festen Rhythmus zu kommen und den Arbeitsalltag aufzunehmen, mussten sich erst wieder einspielen. Dank der Unterstützung ihrer Kolleg*innen und der BIB verlief die Wiedereingliederung für Linda dabei unkompliziert.

Die Gewöhnung kam daher am Ende aber doch recht schnell. „Was mir bis heute zu schaffen macht, ist die Konzentrationsschwäche“, schildert sie. „Das war und ist tatsächlich eine der größten Herausforderungen überhaupt. Andererseits ist das ja in den Wechseljahren generell kein seltenes Phänomen.“

Gleichzeitig habe sich aber vor allem ihr Blick auf die Dinge verändert. Vieles sei ihr heute weniger wichtig, weil sie bewusster wahrnehme, was wirklich zählt. „Ich genieße heute viel bewusster, meine Kinder aufwachsen zu sehen“, sagt sie. „Daher bin ich sehr dankbar dafür, dass der Krebs so früh erkannt wurde. Im Grunde hatte ich großes Glück und damit eine sehr gute Ausgangssituation.“ 

Brustkrebsmonat – Botschaften

Was müssen Frauen über Brustkrebs wissen?
  • Ich wünsche mir, dass Frauen sich mit dem Thema Vorsorge auseinandersetzen und wissen, welche Möglichkeiten es gibt. Viele Frauen haben beispielsweise noch nie etwas von einem Brustultraschall gehört.

    Bei mir hat diese Untersuchung den Krebs früh sichtbar gemacht, obwohl er beim Abtasten nicht aufgefallen war. Deshalb finde ich es wichtig, dass Frauen zumindest über diese Möglichkeit informiert sind und gemeinsam mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt entscheiden können, ob eine solche Untersuchung für sie sinnvoll ist.

Was würdest du einer Frau sagen, die gerade die Diagnose Brustkrebs erhalten hat?
  • Ich würde ihr zunächst sagen: Es zieht dir den Boden unter den Füßen weg. Das ist völlig normal. Du musst nicht sofort stark sein und darfst Angst haben.

    Gleichzeitig geht das Leben weiter. Und auch wenn es vielleicht schwerfällt: positives Denken kann helfen. Mir hat auch geholfen, mich immer wieder auf das zu konzentrieren, was gerade vor mir liegt.

    Und ich würde ihr sagen: Vergiss dich selbst nicht! Hör auf dich und achte darauf, was du gerade brauchst. Meine Freundin hat mir nach der Diagnose einen Spruch mitgegeben, der mich bis heute begleitet: „Das Leben ist wie ein Flugzeug – bevor man anderen helfen kann, muss man sich selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen.“ Dieser Gedanke ist für mich sehr wichtig geworden. Man muss auf sich selbst hören. Wenn man selbst nicht fit ist, kann man auch nicht für andere da sein.

    Und auch die Möglichkeit einer Familientherapie finde ich wichtig. Denn eine solche Erkrankung betrifft nicht nur die erkrankte Person selbst, sondern immer auch das familiäre Umfeld.

Warum ist es dir wichtig, deine Erfahrungen zu teilen?
  • Ich habe selbst so sehr davon profitiert, dass der Krebs früh erkannt wurde. Ich hatte großes Glück, und genau deshalb möchte ich andere Frauen für das Thema Vorsorge sensibilisieren.

    Man sollte außerdem keine Angst davor haben, Unterstützung anzunehmen. Dazu gehören für mich nicht nur medizinische Hilfe, sondern auch Unterstützung durch Familie, Freunde oder therapeutische Angebote.

    Ich persönlich würde auch empfehlen, sich mit dem Thema einer privaten Zusatzversicherung auseinanderzusetzen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das im Krankenhaus vieles entspannter machen kann und die Versorgungssituation dadurch angenehmer ist.

    Am wichtigsten ist für mich aber die Erkenntnis, dass man sich selbst nicht aus dem Blick verlieren darf. Und vielleicht ist genau das der Dreiklang, den ich anderen Frauen mitgeben möchte: Nehmt eure Vorsorge ernst, hört auf euch selbst und macht euch bewusst, was im Leben wirklich wichtig ist.

* Aus Diskretionsgründen wurde der Name redaktionell geändert.