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MFI Fundeser aus Nicaragua

Fundeser – eine Partnerschaft, die hält

Vor 19 Jahren wagte die BIB einen ungewöhnlichen Schritt: ein Nachrangdarlehen an eine kleine Stiftung in Nicaragua, die KleinstunternehmerInnen in einer der ärmsten Regionen Lateinamerikas Zugang zu Finanzdienstleistungen verschaffen wollte.

Was folgte, waren Kreditboykotte, Kaffeeschädlinge, politische Unruhen und eine Pandemie. Fundeser überstand all das, und die BIB stand in jeder Krise an der Seite ihres ersten Mikrofinanzpartners. Eine Geschichte über 19 Jahre Vertrauen, Ausdauer und gelebtes FAIR BANKING.

 

Der erste Schritt
Als die BIB 2007 zum ersten Mal in Fundeser investierte, bestand die nicaraguanische Stiftung erst seit sieben Jahren und hatte ein Kreditportfolio von gerade einmal 8,5 Mio. Euro vorzuweisen. Ihr Ziel: Kleinbauern, Händlern und Handwerkern im ländlichen Raum Finanzdienstleistungen zugänglich zu machen. Trotzdem entschied sich die BIB für ein zehnjähriges Nachrangdarlehen – eine Finanzierung, die im Insolvenzfall erst nach allen anderen Gläubigern bedient wird. Ein erhebliches Risiko, aber auch ein klares Zeichen des Vertrauens.

Erste Bewährungsprobe
Bereits zwei Jahre später wurde diese Partnerschaft auf die Probe gestellt. In Nicaragua formierte sich die „No Pago“- Bewegung, in der sich KreditnehmerInnen, vor allem aus der Viehzucht, organisierten und die Rückzahlung ihrer Darlehen aus Protest gegen schwierige Wirtschaftsbedingungen und hohe Schuldenlast verweigerten. Fundeser verlor dadurch die Hälfte ihres Portfolios, während im ganzen Land Mikrofinanzinstitute zusammenbrachen und eine Bank von der Aufsicht geschlossen wurde. Das Nachrangdarlehender BIB erwies sich in dieser existenziellen Krise als stabilisierender Anker.

Umstrukturierung und Neustart
Um die geschwächte Stiftung langfristig zu sichern, entstand 2011 eine neue Struktur: Gemeinsam mit den Mikrofinanzinvestoren Incofin aus Belgien und Triple Jump aus den Niederlanden sowie der BIB wollte Fundeser eine regulierte Financiera gründen – einen lizenzierten Finanzdienstleister, der das Geschäft der Stiftung fortan übernehmen sollte. Die BIB investierte über ihren KCD-Mikrofinanzfonds und wurde damit zur Mitgesellschafterin.1 2014 erhielt Fundeser die notwendige Lizenz der nicaraguanischen Bankenaufsicht, und die folgenden Jahre brachten Stabilisierung und moderates Wachstum. Doch schon 2018 war es damit wieder vorbei; diesmal trafen gleich mehrere Krisen zusammen: Ein Pflanzenschädling vernichtete große Teile der Kaffeeernte, die für viele KundInnen von Fundeser eine der wichtigsten Einnahmequellen darstellte. Gleichzeitig erschütterten Betrugsfälle drei Filialen, während politische Unruhen Nicaragua an den Rand eines Bürgerkriegs brachten. Erneut mussten Kredite restrukturiert werden, erneut halfen die Gesellschafter dem Institut durch die Turbulenzen, bevor 2020 die Covid-19-Pandemie die nächste Herausforderung mit sich brachte.

1 Für die MP_NAME# war die Beteiligung an Fundeser die erste und bis heute einzige Private-Equity-Investition dieser Art.

Bankmitarbeiter im Gespräch mit Kleinbauern in Nicaragua

„Bei vielen Besuchen vor Ort lernte ich die KundInnen von Fundeser kennen. Ich habe großen Respekt dafür, mit wie viel Einsatz sie bei schwierigen Rahmenbedingungen für ein besseres Leben arbeiten."

Martin Kreysern, Abteilungsleiter Auslandskundenbetreuung

Kleinbauern verkaufen ihre Waren auf einem Markt in Nicaragua

Dass Fundeser all diese Krisen überstand, ist bemerkenswert und macht deutlich, wie wichtig zuverlässige Partner sind. Seit 2021 entwickelte sich das Institut durchaus positiv: Das Kreditportfolio wurde bereinigt, die Rentabilität kehrte zurück, und das machte Fundeser zunehmend attraktiv für neue Investoren. 2024 verkauften die internationalen Gesellschafter, darunter der BIB-Fonds, ihre Anteile an die Finanzgruppe um Banco Atlantida aus Honduras, die das erfolgreiche Mikrofinanzmodell künftig in weiteren Ländern der Region etablieren möchte. Die BIB selbst bleibt als Darlehensgeber involviert und unterstützt Fundeser weiterhin.

Heute steht das Institut mit einem Kreditbuch von 35 Mio. Euro und 275 MitarbeiterInnen solide da. In 14 der 17 nicaraguanischen Departments betreut es insgesamt 17.200 KundInnen, davon 52 % Frauen und 58 % auf dem Land. Neben klassischen Krediten bietet Fundeser auch Zahlungsdienstleistungen und Versicherungen an. Hinter diesen Zahlen stehen konkrete Geschichten: Kleinbauern, die endlich Saatgut kaufen konnten. Händler, die ihr Inventar erweitern konnten. Werkstätten, die in neue Maschinen investieren konnten. In 25 Jahren hat Fundeser Zehntausende MikrounternehmerInnen unterstützt und dabei gezeigt, wie wichtig verlässliche Finanzdienstleistungen gerade im ländlichen Nicaragua sind.

„Da ich Fundeser als Nicaraguaner bereits seit vielen Jahren kenne, ist es für mich eine Bereicherung, die Institution nun beruflich zu begleiten und zu sehen, wie sie stetig wächst und ihren KundInnen mit Engagement dient.“

Jaime Caldera, Investment Officer Mittelamerika

19 Jahre gemeinsamer Weg – eine Geschichte, die zeigt, was FAIR BANKING bedeutet: nicht nur in guten Zeiten profitieren, sondern auch in schwierigen Zeiten zusammenstehen.